Eine kleine Sammlung von Gedichten, die mir aufgefallen sind und dann und wann auch sehr gut zu mir gepasst haben

 Von Erich Fried: "Was es ist":

 Es ist Unsinn
 sagt die Vernunft
 Es ist was es ist
 sagt die Liebe

 Es ist Unglück
 sagt die Berechnung
 Es ist nichts als Schmerz
 sagt die Angst
 Es ist aussichtslos
 sagt die Einsicht
 Es ist was es ist
 sagt die Liebe

 Es ist lächerlich
 sagt der Stolz
 Es ist leichtsinnig
 sagt die Vorsicht
 Es ist unmöglich
 sagt die Erfahrung
 Es ist was es ist
 sagt die Liebe

 

LIEBESGEDICHT

Als wir uns liebten,
liebten wir uns selbst nicht.

Als wir uns den Krieg erklärten,
gaben wir uns schon verloren.

Als wir geschlagen waren,
bemühten wir die Geschichte.

Als wir allein waren,
übertönten wir sie mit Musik.

Als wir uns trennten,
blieben wir am gleichen Ort.

So lagen wir uns bald wieder in den Armen
und nannten es ein Liebesgedicht,

aber kein Liebesgedicht erklärt uns
die Angst vor der Liebe,

und warum der Himmel so blau war
als wir uns trafen,

und warum er immer noch blau sein wird
wenn wir sterben werden,

du für dich,
ich für mich.

 

Wenn der Mond die Sonne berührt, wenn er zärtlich sie verführt, wenn sie in
seinen Arm sich schmiegt und er sie sanft im Mondlicht wiegt. Was wird mit Nacht und Tag passieren, wenn Mond und Sonne sich berühren? Sind wir dann Eins in Zeit und Raum? Bleibt das für immer nur ein Traum? Wer glücklich ist bei Tag und Nacht hat diesen Traum schon wahr gemacht. Denn nur wer liebt, der kann es spüren, wenn Mond und Sonne sich berühren.